Auch
mit den Münchner Malern pflegte die Familie von Heyl freundschaftliche
Kontakte. Entstanden sind diese Beziehungen nach Pietsch durch den Bruder
des Sammlers, Major Maximilian von Heyl, und seine Frau, Doris von Heyl
geb. Stein, die 1878 die Pariser Weltausstellung besuchten und von dem
durch Lorenz Gedon ausgestatteten deutschen Salon begeistert waren. Sofort
engagierten sie ihn als Innenausstatter für ihr Haus, den Majorshof
in Worms. Auch die mit Gedon befreundeten Maler Kaulbach und Lenbach waren
im deutschen Salon mit Bildern vertreten. Von Kaulbach ist bekannt, daß
er im Mai zur Ausstellung reiste, so daß der Kontakt zu Lorenz Gedon
sich entweder schon in Paris oder bald darauf in München auf seine
Freunde ausdehnte. Noch Ende des gleichen Jahres entstanden die Vorarbeiten
zu einem Portrait von Doris von Heyl von Kaulbach. Das Gemälde folgte
im darauffolgenden Jahr. Aus diesen ersten Kontakten entwickelte sich eine
enge Freundschaft. Sowohl Lenbach als auch Kaulbach berieten das Ehepaar
bei ihren Kunstkäufen. Doris von Heyl wurde Patentante von Kaulbachs
erster Tochter, die auch ihren Namen bekam. Ein Gemälde von F. A.
von Kaulbach aus der Sammlung des Majors von Heyl zeigt ein Gruppenbild
aus Gedons Garten "Um einen weißgedeckten Tisch gruppiert: Fritz
Aug. v. Kaulbach, Baron Heyl, Lorenz Gedon mit ihren Gattinnen, rechts
der Architekt Seidl, links spielende Kinder mit Stallhasen". Der Kontakt
der Künstler zu den Geschwistern, also dem Sammlerehepaar, stellte
sich schnell ein, denn das große Stifterportrait C. W. von Heyls
von Franz von Lenbach trägt die Datierung 1883 (Kat. Nr. 101).
"Zu
der Zeit der Fertigstellung des Schlosses Heylshofes in Worms verkehrten
in Worms selbst bei meinen Eltern und auch in der Familie Julius Schoen
die prominenten Künstler aus München ... Es war das in erster
Linie der berühmte Lenbach, der meinen Vater und meine Mutter gemalt
hat, dann Fritz August von Kaulbach, der meine Eltern gemalt hat und alle
meine Geschwister und mich selbst ... Die Freundschaft dieses Kreises dauerte
Jahre und setzte sich in Pausen, entweder in Zusammenkünften in Worms,
in Darmstadt, wohin inzwischen mein Onkel Max mit seiner Frau Doris gezogen
war, und in München fort."
Im Versteigerungskatalog der Sammlung Maximilian
von Heyl von 1930 werden fünfzehn Gemälde und Skizzen von Lenbach
und drei von Kaulbach aufgeführt, darunter von beiden jeweils ein
Portrait des Lorenz Gedon, von welchem auch C. W. von Heyl nach Gedons
Tod eines bei Lenbach in Auftrag gab. Dieses gehört neben einem Bismarckportrait
(Kat. Nr. 95) und einem nicht näher bestimmbaren Damenbildnis Lenbachs
(Kat. Nr. 94) zu den einzigen Gemälden der beiden Künstler in
der Sammlung, die keine Familienportraits sind. Auch Wilhelm von Diez,
der mit dem kleinen, durch sein Sujet sehr auffallendes Ölgemälde
"Kriegsgefangene" in der Sammlung vertreten ist (Kat. Nr. 91), war mit
dem Kreis um Gedon durch die Münchener Vereinigung "Allotria" gut
bekannt. Darüber hinaus ist die Verbindung zu Böcklin über
den Münchener Kreis entstanden, und Maximilian von Heyl begann Anfang
der achtziger Jahre, Gemälde und vor allem Zeichnungen dieses Malers
zu sammeln. Auch die zu der im Heylshof befindlichen Skizze der "Venus
Anadyomene" gehörige Gemäldeausführung befand sich in seinem
Besitz (Kat. Nr. 90).
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